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Warum Haitis Wahlen 2026 ein zynisches Schauspiel sind

Es entbehrt wahrlich nicht einer gewissen makabren Komik, wenn der oberste Polizeichef eines Landes, dessen Hauptstadt mittlerweile zu neunzig Prozent von schwer bewaffneten Gangs kontrolliert wird, mit der stoischen Ruhe eines passionierten Hobbykochs verkündet, der Plan für die diesjährigen Wahlen stehe „noch in der Küche und sei noch nicht ganz gar“. Man muss diese bemerkenswerte, metaphorische Ausweichbewegung des Herrn André Jonas Vladimir Paraison fast schon wieder bewundern. Da haben wir also Haiti, einen Staat, der sich seit der Ermordung seines Präsidenten im Jahr 2021 im freien Fall befindet, der 1,4 Millionen Binnenflüchtlinge generiert hat und dessen Bevölkerung sich täglich fragen muss, ob der Weg zum nächsten Markt ihr letzter sein wird und die einzige offizielle, institutionelle Antwort darauf lautet ernsthaft: Wir öffnen im März erst einmal die Registrierung für politische Parteien.

Als jemand, der es bevorzugt, die geopolitischen Verwerfungen dieser Welt mit einer gewissen logischen Nüchternheit und vor allem ohne den üblichen, internationalen moralisierenden Zuckerguss zu betrachten, drängt sich mir hier unweigerlich die Frage nach dem intellektuellen Fundament dieser Strategie auf. Aus einer liberalen Perspektive heraus ist die Demokratie schließlich kein formales Theaterstück, das man nach Belieben aufführen kann, sobald man irgendwo zwischen den Trümmern eine Wahlurne aufstellt. Die zwingende Vorbedingung für jegliche freiheitliche Willensbildung ist schlichtweg das staatliche Gewaltmonopol. Wenn jedoch die potenziellen Wähler von importierten Scharfschützengewehren, die übrigens ganz wunderbar reibungslos über den freien Markt aus Florida ins Land fließen, an der Stimmabgabe gehindert werden, verkommt der gesamte demokratische Prozess zur blutigen Farce.

Wir klammern uns hier an die absurde Illusion einer Wahl, primär um der internationalen Gemeinschaft das wohlige Gefühl zu geben, man habe zumindest auf dem Papier einen politischen Prozess in Gang gesetzt, während gleichzeitig die UN-gestützte kenianische Polizei-Mission chronisch unterfinanziert und unterbesetzt vor sich hin dümpelt. Wahre Politik und sinnvolle Unterstützung würde bedeuten, der Realität ins Auge zu blicken und den Menschen zuerst das fundamentale Recht auf physische Unversehrtheit und echte bürgerliche Sicherheit zurückzugeben, anstatt sie in ein bürokratisches Schauspiel zu zwingen, dessen Ausgang die Warlords ohnehin längst diktieren.

Es ist genau diese Art von performativer, geradezu zynischer internationaler Pflichterfüllung, bei der man, während man seufzend die desillusionierende Lage auf dem Globus betrachtet, am liebsten einfach nur ans Fenster treten, laut fluchen und irgendeinen Schuh schmeißen möchte.

Inseltraum Admin